In den Apotheken erleben wir Tag für Tag die große Unsicherheit vieler Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihren oft komplexen Arzneitherapien. Häufig fehlt die Übersicht über die gesamte Medikation und alle behandelnden Ärzte. Die Medikationspläne sind lückenhaft – oder es existieren gleich mehrere. Dazu kommen fehlendes Wissen über die Arzneitherapien, Probleme in der Arzneimittelanwendung, Neben- oder Wechselwirkungen. Fehler oder Therapieabbrüche sind vorprogrammiert und können fatale Folgen haben.

Strukturierte Medikationsanalysen durch Apothekerinnen und Apotheker helfen Patienten und ihren Angehörigen, den Überblick über ihre gesamte Medikation zu behalten und die Arzneitherapien und ihren Sinn und Zweck zu verstehen. Sie können Medikationsfehler und Gründe für Non-Adhärenz aufspüren, Risiken verringern und dazu beitragen, dass Patienten einen möglichst optimalen Nutzen von ihrer Arzneitherapie haben.

Die Apothekerkammer Berlin bildet Apothekerinnen und Apotheker zu sogenannten ATHINA-Apothekern fort. ATHINA steht für „Arzneimitteltherapiesicherheit in Apotheken“. Dabei handelt es sich um eine spezielle Fortbildung, bei der Kenntnisse vermittelt werden, um strukturierte Medikationsanalysen durchführen zu können. Das Fortbildungskonzept wurde von der Apothekerkammer Nordrhein entwickelt und wird mittlerweile von 13 Apothekerkammern angeboten.

So läuft eine Medikationsanalyse nach ATHINA in der Apotheke ab

Bei einer Medikationsanalyse werden mit dem Patienten zwei Termine vereinbart. Zum ersten Termin bringt der/die Patient:in seine/ihre kompletten Arzneimittel in einer Tüte mit in die Apotheke. Die Apothekerin/der Apotheker führt ein Anamnesegespräch durch, erfasst systematisch alle Arzneimittel und überprüft auf mögliche Wechselwirkungen untereinander, mögliche Nebenwirkung, eventuelle Doppelmedikation, richtige Anwendung und Dosierung.

Beim zweiten Termin erhält der Patient einen übersichtlichen Medikationsplan und Informationen zu seinen Arzneimitteln. Die Apothekerin/der Apotheker macht Vorschläge, wie sich die Wirkung der Arzneimittel verbessern lässt, wie sich Nebenwirkungen verringern lassen und sogar, welche Arzneimittel nach Rücksprache mit dem Arzt abgesetzt werden könnten.

Patienten profitieren von der Medikationsanalyse durch ein größeres Wohlbefinden und ein besseres Verständnis für ihre Medikation.

Eine Medikationsanalyse bedeutet für die Apotheke großen Aufwand und kann daher von der Apothekerin/dem Apotheker nur gegen eine angemessene Honorierung erbracht werden.

Die Apotheke kann die Dienstleistung ggf. als "erweiterte Medikationsberatung bei Polypharmazie" mit der Krankenkasse abrechnen, sofern alle Voraussetzungen gegeben sind. Weitere Informationen finden Apothekerinnen und Apotheker auf der Webseite der ABDA im geschützten Mitgliederbereich.

So werden Sie ATHINA-Apotheker/in

Druckversion