Apotheken schlagen Alarm: Viele Arzneimittel sind derzeit nicht lieferbar

Immer häufiger können Apotheken ihre Kunden nicht unmittelbar versorgen, weil verordnete Arzneimittel weder vorrätig noch kurzfristig beschaffbar sind. Grund dafür sind Lieferengpässe – unter anderem bei Schmerzmitteln, Blutdrucksenkern und Antidepressiva.

Ein Lieferengpass ist definiert als eine über 2 Wochen hinausgehende Unterbrechung einer üblichen Auslieferung oder eine deutlich erhöhte Nachfrage, die das Angebot übersteigt.

Wenn Alternativarzneimittel nicht zur Verfügung stehen, liegt ein Versorgungsengpass vor.

Apotheken bemühen sich nach Kräften und in den allermeisten Fällen auch erfolgreich um Lösungen, um das Fortführen der Therapie zu gewährleisten. In manchen Fällen kann auf einen anderen Hersteller desselben Arzneistoffes ausgewichen werden, in anderen Fällen muss der Arzt die Therapie auf ein anderes Arzneimittel umstellen. Patienten, die Arzneimittel längerfristig oder dauerhaft einnehmen müssen, sollten sich frühzeitig um Folgeverordnungen kümmern, damit im Falle eines Lieferengpasses rechtzeitig eine Lösung gefunden werden kann.

Ist ein Arzneimittel nicht verfügbar, muss der Arzt in vielen Fällen ein neues Rezept ausstellen. Um der Apotheke Spielraum zu geben und dem Patienten einen weiteren Gang zum Arzt zu ersparen, sollte der Arzt möglichst nur den Wirkstoff, die Wirkstärke und die Darreichungsform ohne Nennung eines konkreten Herstellers verschreiben. Der Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung verpflichtet die Apotheke in jedem Fall zur wirtschaftlichen Abgabe.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) bietet eine Übersicht zu aktuellen Lieferengpässen in Deutschland an. Die Meldungen erfolgen durch die Pharmazeutischen Unternehmer und basieren auf einer Selbstverpflichtung zur Meldung von Lieferengpässen für versorgungsrelevante Arzneimittel und umfassen daher nur einen Teil der derzeit nicht lieferbaren Medikamente.

Dr. Kerstin Kemmritz, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, hat in einem Interview gegenüber RBB radioeins am 16.10.2019 umfassend Stellung zu der Lieferengpass-Problematik.

Der Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), Friedemann Schmidt, hat am 17.10.2019 in der MDR Sendung „Hauptsache gesund die derzeitige Situation der Medikamentenversorgung ausführlich erläutert.

Ein Faktenblatt der ABDA analysiert Ursachen von Lieferengpässen und fasst Forderungen der Apothekerschaft zusammen.

AK Berlin, 22.10.2019

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