11.05.20

Klaus Stürzbecher ist verstorben

Kategorie: Aktuelles, Startseite

Die Apothekerkammer Berlin und der Berliner Apotheker-Verein trauern um ihren hochgeschätzten Ehrenpräsidenten und Ehrenvorsitzenden Klaus Stürzbecher. Stürzbecher war eine herausragende Persönlichkeit, als Apotheker, als Berufspolitiker und als Mensch.

Klaus Stürzbecher war 24 Jahre Präsident der Apothekerkammer Berlin (1975 – 1999) und 8 Jahre Vorsitzender des Berliner Apotheker-Vereins (1973 – 1981). Auf Bundesebene stand er fast 16 Jahre als Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ABDA (1981 – 1996) vor und prägte die Standespolitik. Daneben war er in weiteren Einrichtungen und Organisationen des Berufsstandes in führenden Positionen tätig. Seit der Gründung der Apothekerversorgung Berlin (AVB) im Jahre 1983, die Stürzbecher maßgeblich vorangetrieben hat, war er bis 2017 ununterbrochen Vorsitzender des Aufsichtsausschusses der AVB.

In den über 40 Jahren seines berufspolitischen Wirkens hat er die Geschicke der Apothekerkammer Berlin, des Berliner Apotheker-Vereins und der ABDA mit großem persönlichem Engagement gelenkt und wesentliche Weichenstellungen für den Berufstand vorgenommen. Stürzbecher hatte stets eine klare Vorstellung davon, was den Beruf des Apothekers im Kern ausmacht und in welche Richtung der Beruf weiterentwickelt werden soll. Sein Credo war, dass der Apotheker den Menschen zu dienen hat. Er war der festen Überzeugung, dass sich der Apotheker als Heilberufler definieren und diese Rolle im Gesundheitswesen ausfüllen muss. Diese Überzeugung vertrat Stürzbecher glaubwürdig in seiner eigenen Apotheke und nach außen gegenüber der Politik, den anderen Heilberufen und Freien Berufen sowie nach innen gegenüber seinen Kolleginnen und Kollegen. Er hatte die Gabe, andere zu begeistern und mitzunehmen.

Mitnehmen bedeutete für Stürzbecher jedoch nicht überreden, sondern überzeugen, das wollte und das konnte er immer. Die Unverzichtbarkeit des Heilberufes Apotheker und der Institution Apotheke als Garanten für Sicherheit und Qualität im Bewusstsein der Politik zu verankern - immer im Interesse der Patientinnen und Patienten - das war zeitlebens seine Mission.

Ein Ereignis, das den Berliner Klaus Stürzbecher besonders berührt hat, war der Fall der Mauer und die Wiedervereinigung. In dieser Situation war Stürzbecher der Richtige am richtigen Platz. Als ABDA-Präsident gelang ihm und seinen Mitstreitern in West und Ost die erfolgreiche Zusammenführung der Apothekerinnen und Apotheker, weil er respektvoll und achtsam mit den neuen Kolleginnen und Kollegen umging.

Klaus Stürzbecher wurde 1933 geboren und wuchs als Sohn eines Apothekers in Berlin auf. Er studierte an der Freien Universität Berlin Pharmazie. Nach Erhalt der Approbation 1959 arbeitete er zunächst als angestellter Apotheker in einer öffentlichen Apotheke und pachtete bereits 1960 eine Apotheke in Berlin-Spandau. 1966 eröffnete er seine Falken-Apotheke im neu entstehenden Falkenhagener Feld in Spandau. Diese hat er nach 45 Jahren in gute Hände weitergegeben.

1973 begann seine berufspolitische Karriere mit der Wahl zum Vorsitzenden des Berliner Apotheker-Vereins. Nur zwei Jahre später, 1975, wurde er mit großer Mehrheit auch zum Präsidenten der Apothekerkammer Berlin gewählt. Beide Ämter übte er bis 1981 in Personalunion aus. Aufgrund dieser besonderen berufspolitischen Konstellation wurde Klaus Stürzbecher 1980 zum Vizepräsidenten der ABDA gewählt. Wenige Monate später übernahm er nach dem tragischen Tod von ABDA-Präsident Dr. Rolf Martin das Amt des ABDA-Präsidenten, das er fast 16 Jahre ausgefüllt hat. Schon in dieser Zeit war die Gesundheitspolitik sehr agil und das zumeist durch das Erlassen von Spargesetzen. Angesichts knapper werdender Mittel erlegte die Politik den Apotheken immer neue Sparmaßnahmen auf, die schon damals für diese wirtschaftlich bedrohlich waren. Viele Vorgaben der Politik konnte Stürzbecher mit Verhandlungsgeschick, Energie und Selbstbewusstsein abwenden oder zumindest verkraftbar gestalten.

Klaus Stürzbecher war ein politischer Mensch aus Leidenschaft, der viel Freude am politischen Gestalten hatte. Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium, nannte Stürzbecher in ihrer Laudatio zu seinem 60. Geburtstag „Kanzler der Apotheker“. Die schwierige Aufgabe, Präsident eines Interessenverbandes zu sein, habe er erfolgreich gemeistert, weil er dem „Gemeinwohl gedient“ habe. Während seiner 16-jährigen Amtszeit als ABDA-Präsident arbeitete Stürzbecher mit acht Bundesgesundheitsministern zusammen, darunter Heiner Geißler, Gerda Hasselfeld, Rita Süßmuth und Horst Seehofer sowie mit Norbert Blüm, der als Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung für die Krankenversicherung zuständig war. Als Berliner Kammerpräsident erlebte Stürzbecher acht Senatoren, darunter den heute noch gesundheitspolitisch aktiven Ulf Fink. Von allen wurde sein fairer Stil der politischen Auseinandersetzung geschätzt.

Klaus Stürzbecher wurde für seine herausragenden Leistungen für das Gemeinwohl mit hohen Auszeichnungen geehrt. Als höchste Auszeichnung wurde ihm vom Bundespräsidenten das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Die ABDA verlieh ihm mit der Hans-Meyer-Medaille die höchste Auszeichnung, die die Apothekerschaft zu vergeben hat. Klaus Stürzbecher war Ehrenpräsident der Apothekerkammer Berlin und Ehrenvorsitzender des Berliner Apotheker-Vereins. Stürzbecher hat diese Ehrentitel nicht nur geführt, sondern stets mit Leben erfüllt. Er war vertrauensvoller Ansprechpartner für die Kolleginnen und Kollegen und half stets mit Rat und Tat, ohne sich aufzudrängen. Die Apothekerschaft hat mit ihm eine herausragende Persönlichkeit und einen hoch geschätzten klugen Ratgeber verloren.

Den Nachfolgern von Klaus Stürzbecher im Amte des Präsidenten der Apothekerkammer Berlin, Norbert Bartetzko und Dr. Christian Belgardt, und des Vorsitzenden des Berliner Apotheker-Vereins, Dr. Manfred Zindler und Dr. Rainer Bienfait, sowie uns als amtierender Präsidentin und Vorsitzenden ist es auch ein persönliches Anliegen, Klaus Stürzbecher zu würdigen. Seine Erfahrung, seine Unterstützung und sein Rat, auf den alle seine Nachfolger bauen konnten, werden uns fehlen.

Unser tief empfundenes Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Töchtern und allen, die ihm nahestanden. Wir werden Klaus Stürzbecher als einen ganz besonderen Menschen in ehrender Erinnerung behalten.

Auf das Auslegen eines Kondolenzbuches haben wir Corona bedingt verzichtet. Auf Wunsch der Familie Stürzbecher bitten wir, Kondolenzschreiben an die Apothekerkammer Berlin zu richten, die die Post persönlich vertraulich behandelt und ungeöffnet an die Familie weiterleitet. Anschrift: Apothekerkammer Berlin, Ehrenpräsident Klaus Stürzbecher, Littenstraße 10, 10179 Berlin.

 

Dr. Kerstin Kemmritz                         Anke Rüdinger

Präsidentin                                          Vorsitzende

Apothekerkammer Berlin                  Berliner Apotheker-Verein

 

AK Berlin, 11.05.2020


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