Ambulante Versorgung: Gemeinsam neu denken

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Unter dem Motto „Nach der Wahl: Ambulante Versorgung in Berlin – Ärzt:innen und Apotheker:innen Hand in Hand?!“ diskutierten beim vierten Netzwerktreffen Kammer aktiv der Apothekerkammer Berlin die Panelist:innen über die Zukunft der ambulanten Versorgung. Erstmals ergänzte ein „Hot Seat“ die Diskussion: Drei Gäste aus dem Publikum wurden spontan zu Panelist:innen und brachten ihre Perspektiven in die Debatte ein.

Wie kann die ambulante Versorgung in Berlin langfristig gesichert und zukunftsfest aufgestellt werden? Und wie können die verschiedenen Heilberufe ihre Kompetenzen noch besser miteinander verbinden? Darüber diskutierten Dr. med Peter Bobbert (Präsident der Ärztekammer Berlin), Dr. Christiane Wessel (stv. Vorstandvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin), Susanne Hertzer (Leiterin der TK Landesvertretung Berlin/Brandenburg) mit der Berliner Kammerpräsidentin Dr. Ina Lucas und dem interessierten Publikum. 

Das Kammer aktiv räumte dabei auch mit Vorurteilen auf. Voraussetzung für eine gute Zusammenarbeit sei, die Fähigkeiten des jeweils anderen zu verstehen und zum Wohle der Patient:innen zu nutzen: Wo liegen die jeweiligen Stärken und Grenzen? Welche Aufgaben können die einzelnen Heilberufe übernehmen – und wo braucht es die Expertise der jeweils anderen?

„Jetzt ist genau der richtige Zeitpunkt, Primärversorgung neu zu denken – neu zu gestalten. Das müssen wir tun! Es ist Teil unseres heilberuflichen Versorgungsauftrages. Dafür ist eine stärkere Vernetzung der Gesundheitsberufe unabdingbar“, sagte Dr. Ina Lucas, Präsidentin der Apothekerkammer Berlin, zu Beginn. Lucas führte aus: „Jede Berufsgruppe bringt ihr eigenes Wissen ein und stärkt damit ein gemeinsames Ziel: die Gesundheit der Patientinnen und Patienten zu sichern, sie gezielt durch das Versorgungssystem zu steuern und dieses zugleich zu entlasten.“

Die Beiträge der "Hot Seat"-Panelisten bestätigten den Tenor: MITeinander statt ÜBEReinander zu reden sei die Lösung, um gemeinsam eine gute Versorgung zu erreichen. Mit anschaulichen Beispielen aus der Praxis zeigten sie auf, wie gut die Zusammenarbeit vor Ort bereits funktioniert und welchen Mehrwert dies für die Patient:innen hat. Sich ernsthaft gegenseitig aktiv mitzudenken und frühzeitig einzubinden sei die Lösung und spare letztlich Ressourcen bei besseren Ergebnissen. Versorgung müsse stärker vom Bedarf der Patient:innen her gedacht werden. Davon profitiere nicht nur die ambulante Versorgung, sondern auch das Gesundheitssystem insgesamt.

Fest steht: Ärzt:innen und Apotheker:innen sind keine Konkurrent:innen. Sie sind unterschiedliche Akteure im Gesundheitssystem, deren Kompetenzen sich in der Versorgung ergänzen. Diese unter Einbeziehung aller Akteure noch wirkungsvoller zu verbinden ist eine große Herausforderungen, aber auch der einzige Weg in eine starke ambulante Versorgung der Zukunft.

Das sagen unsere Panelist:innen:

Dr. med. Peter Bobbert, Präsident der Ärztekammer Berlin: „Eine sinnvolle, stärkere Verzahnung von Kompetenzen in der Versorgung von Patient:innen begrüßen wir. Unnötige Doppelstrukturen im Gesundheitssystem lehnen wir jedoch ab, denn eine Vermischung von Zuständigkeiten gefährdet die Patientensicherheit.“

Dr. Christiane Wessel, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin: „Ärzt:innen und Apotheker:innen können Patient:innen gemeinsam besser versorgen, wenn sie eng zusammenarbeiten. Für Diagnostik, Therapieentscheidungen und medizinische Leistungen muss aber weiterhin der ärztliche Standard gelten. Wir sollten klären, wo Apotheken Praxen sinnvoll unterstützen können, statt mit knappen Mitteln zusätzliche Doppelstrukturen zu finanzieren. Wichtig dabei ist, dass wir tatsächlich gemeinsam agieren und keine Partei nur noch reagieren kann.“

Susanne Hertzer, Leiterin der TK in Berlin und Brandenburg: „Wir brauchen kein Gegeneinander, sondern mehr Miteinander in der Versorgung! Für die Menschen sind sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Apothekerinnen und Apotheker wichtige Ansprechpartner, die ihre unterschiedlichen Kompetenzen bündeln sollten. Denn alle haben doch dasselbe Ziel: Die Gesundheit der Patientinnen und Patienten.

Über das Format Kammer aktiv:

Kammer aktiv ist ein seit 2025 bestehendes Format der Apothekerkammer Berlin, dass Raum für Austausch und Diskussion bietet. Dabei steht die Informationsvermittlung, der Dialog zwischen den Kammermitgliedern, politischen Akteurinnen und Akteuren sowie den Expertinnen und Experten der Branche im Vordergrund. Zusätzlich soll in angenehmer Atmosphäre die Vernetzung untereinander gefördert werden. 

Bild: Die Panelist:innen mit Kammerpräsidentin Dr. Ina Lucas beim vierten Kammer aktiv. / © Sandra Schneider (Spreekind-Fotografie)