Warum kommt dieser Mensch in die Apotheke? Die Antwort liegt nahe: Er hat ein gesundheitliches Problem – und erwartet eine kompetente, individuelle Lösung. Doch manchmal versteckt sich das Problem hinter einem vermeintlich klaren Kaufwunsch. Hier kommt es oft besonders auf gute Beratung an. Denn: Eine Studie der ABDA hat gezeigt, dass das vom Patienten ursprünglich gewünschte Arzneimittel in gut 20 Prozent der Fälle für die Symptome ungeeignet war. In knapp 30 Prozent der Fälle waren Grenzen der Selbstmedikation überschritten.
Die zweite W-Frage ist daher die Kardinalfrage:
What are the symptoms? Welche Beschwerden haben Sie?
Hier ist in jedem Einzelfall nicht nur pharmazeutische Expertise, sondern auch kommunikatives Geschick gefragt. Wir benötigen eine möglichst präzise Beschreibung der Symptome – in einem angemessenen Zeitrahmen, bei einer empathischen Gesprächsführung.
Dann gilt es, zu eruieren, ob eine Selbstmedikation möglich ist – oder ob wir zu einem Arztbesuch raten. Was steckt dahinter, wenn jemand „50 Ibuprofen 400“ haben möchte? Soll „nur“ die Hausapotheke aufgefüllt werden – für alle Fälle? Oder gibt es einen Hinweis auf chronische Schmerzen?
Wir wägen individuell ab, welches Arzneimittel und welche Empfehlungen wir geben können – unter Berücksichtigung der weiteren WWHAM-Fragen.
Und wir machen uns immer auch ein Bild von dem gesundheitlichen Zustand des Menschen, der vor uns steht. Geht es um die Haut, sehen wir uns das an. Ist jemand motorisch eingeschränkt, nehmen wir das wahr. Hat jemand Atembeschwerden oder eine belegte Stimme, hören wir das im Gespräch.
Erst mit diesem Gesamtbild können wir die bestmöglichen Empfehlungen geben.
Was gute Beratung ausmacht und auf welchem Fundament sie steht, finden Sie im Positionspapier der Apothekerkammer Berlin „Hohe Beratungsqualität ist essenziell für eine optimale, sichere Patientenversorgung und die Stabilität der Apotheken vor Ort“
Der Beitrag wurde am 9. März 2026 auf dem LinkedIn-Kanal der Apothekerkammer Berlin veröffentlicht.
